Dynamik und Grafik

Zwei Aspekte der Arbeit jedoch sind für das Schaffen Jochen Warths in besonderem Maße relevant. Zum einen ist dies die Dynamisierung des Raumes. Die länglich, grafischen Elemente der Arbeit provozieren den Eindruck von Bewegung. Aufstrebende oder abwärts strebende, geschwungene Flächen und Kanten weisen in verschiedene Richtungen wie Wegweiser, deren begonnenem Lauf es zu folgen gilt. Gerade die Verschiedenheit der angepeilten Richtungen gibt der Arbeit einen besonders dynamischen Zug ebenso wie die stete Richtungsänderung des gebogenen Metalls. Zum zweiten trägt die Arbeit einen besonders grafischen Charakter. Das Grundelement der Grafik, nämlich die Linie, ist wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit. Seien es die Kanten oder die schmalen, langen Flächen selbst, die den Eindruck von Linien, einer Zeichnung im Raum vermitteln. Auch dies ein Gedanke, der in der Minimal Art begründet liegt […].

Zitat aus der Eröffnungsrede von Kunsthistorikerin Jutta Fischer (Metzingen) zur Einweihung der Skulptur von Jochen Warth im Krügerpark in Eningen unter Achalm am 9.10.2020.

Das volle Manuskript steht hier zum Download (PDF) bereit.

Ein immer fortwährendes Ringen

Du hast in den letzten Jahren immer wieder neue Formen gefunden, andere Sichtweisen entwickelt und deine Arbeitsweise verfeinert. Stillstand gibt es nicht, sondern ein immer fortwährendes Ringen um die richtige Lösung und zugleich den Kontakt zu halten zur ursprünglichen Idee.

Da muss eine große Liebe sein, eine große Liebe zur Geometrie, einer Art verinnerlichter Geometrie, denn wie gesagt Zeichnungen gibt es keine, es entstehen aber Zeichen im Raum, die allesamt nicht betitelt sind und dadurch übergibst du sie unserer Freiheit […]

[…] vielmehr sind diese seit langen Jahren entstehenden ‘Unbestimmten Körper’ ein Produkt aus Ordnung und Veränderung, Logik und Zufall, Rationalität und Irrationalität, um diese Pole kreist dein Schaffen […]

Helmut Anton Zirkelbach über Jochen Warth

(Zitate aus der Einführungsrede am 01.03.2020 zur Ausstellung in der Villa Eugenia in Hechingen)

Durch Skulpturen von Jochen Warth wird der Raum für uns zum Ereignis

Zitate aus Helmut Anton Zirkelbachs Einführung zur Ausstellung „Körper Raum Bewegung” von Jochen Warth am 17.10.2019 in der Osiander Galerie im Gewölbe, Reutlingen

So wie bei der Musik der Raum zum gehörten Erlebnis wird, so wird durch eine oder mehrere Skulpturen von Jochen Warth der Raum für uns zum Ereignis. Klarheit, technische Brillanz und künstlerische Gestaltung treffen hier kongenial aufeinander und sind deckungsgleich.

Federleicht und schwerelos kommt die Skulptur daher und ist doch aus Stahl, nicht aus Vollstahl, nicht geschmiedet, sondern geschweißt, wie alle Skulpturen von Jochen Warth, auch wenn wir keine Schweißnähte sehen.

Alle Stahlskulpturen dieses Künstlers werden geschnitten, gebogen, geschweißt und schließlich über die Salzsäure mit Rost “gefasst”. Warth hat keine Assistenten, er arbeitet allein, wenn´s hoch kommt vielleicht mit Schlossern aus seiner Gegend. Jochen Warth ist ein Präzisionskünstler, ein Fanatiker der nicht immer einfachen, aber der immer eleganten Lösungen.

Für mich hat die Kunst von Jochen Warth immer auch ein großen grafischen Reiz, das Figürliche fehlt, das Abstrakte ist da, aber das Grafische, trotz der Dreidimensionalität, das Grafische ist die Dominate.

Ich glaube nicht das Kunst wie manche sagen Kommunikation ist. Ich glaube viel mehr, dass Kunst, so wie Jochen sie fertigt und herstellt, dass diese Kunst eine Art Vermittlung von Energien ist. Kunst kann in uns Menschen geheime, rational nicht erklärbare Kräfte wecken und das ist wunderbar.

Film über Jochen Warth

Der Film “Jochen Warth – Kunst und Skulptur” gewährt Einblicke in den kreativen und handwerklichen Prozess hinter meinen Stahlskulpturen. 

[embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=txt1KwkT5Wo[/embedyt]

“Und plötzlich entsteht aus diesen Platten ein Körper”

“Da hast du 5 Meter Schweißnaht vor dir. Andere meditieren – ich lass die Klappe runter und schweiße…”

“Ich will Sachen machen die, im Grunde genommen, völlig unabhängig von mir sind.”

Danke Martha und Georg von der Filmwerkstatt Mosbacher&Mosbacher, die diesen Film im Jahr 2013 gedreht hatten! Der Film ist nun via Youtube verfügbar.

Was Warth in Stahl ausformuliert ist eine Essenz aus diesen Möglichkeiten

Auszug aus der Eröffnungsrede der Kunsthistorikerin Birgit Wiesenhütter zur Kunstausstellung „Figur in Bewegung – Albrecht Weckmann & Jochen Warth“ in der Galerie der Stadt Wendlingen am 9.9.2018.


“[…] Auch Jochen Warth lotet in seinen Arbeiten Grenzen aus. Seine Stahlplastiken sind klar in ihrer Form, zuweilen kühn. Er lotet seine Möglichkeiten im Material wie in der Statik aus. Haben Sie sich schon gefragt, warum, die Plastik hier vorne (EG) mit ihrem kühnen Schwung in den Boden und nach oben nicht kippt? Sie ist an ihrer Standfläche mit Stahl aufgefüllt. Die Plastik selbst ist hohl. Auch das wird auf den ersten Blick nicht bei allen Plastiken Warths sichtbar: sie sind nicht aus einer massiven Stahlplatte geschnitten, sondern hohl, meisterhaft geschweißt, sodass Nähte kaum zu sehen sind, es sei denn sie sind gewollte grafische Setzung (Bsp. ‘Gefäße’ im OG). Jochen Warth kennt sein Material, weiß es zu formen. Der handwerkliche Prozess ist wichtig, ihm gehen kaum Vorarbeiten voraus, kaum Skizzen, keine Zeichnungen. 

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Ich kenne keine Kunst, die einen solchen Raum öffnet wie Jochens Skulpturen

Einführung von Ralf Bertscheit zu der Ausstellung
Jochen Warth
in der Evangelischen Akademie, Bad Boll, 2007


Wir wissen so viel.
Wir wissen alles.
Unsere ganze Umwelt ist erforscht, Geheimnisse gibt es keine mehr, nichts trägt mehr den Mantel des Unwissens, alles steht uns klar und einsichtig und erklärbar vor Augen – schön.

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Jochen Warth – ein Zeichner

Rede von Ralf Bertscheit zur Einführung in die Ausstellung:
Jochen Warth / Jo Bukowski – Malerei und Stahlskulpturen
in der Galerie kunst_raum haerten, Jettenburg, 2006


Jochen arbeitet mit Stahl. Seine Skulpturen in dieser Ausstellung sind alle aus Stahl. Sie sind aber nicht massiv, sie bestehen nicht aus schweren Stahlblöcken. Jochen nimmt Stahlplatten, nur wenige Millimeter dick, schneidet sie zurecht, biegt sie in Form, fügt sie zusammen und verschweißt dann die Kanten dieser Platten so, dass der Eindruck einer geschlossenen massiven Stahlform entsteht.

Dabei benutzt Jochen keine Vorzeichnungen, es existieren keine planerischen Skizzen, keine Entwürfe. Zeichnungen mit Millimeterangaben, Schnittstellen, Biegungskurven, Winkelzahlen, Materialstärken sucht man in seinem Atelier vergeblich. Jochen konstruiert seine Skulpturen allein im Kopf.

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Jochen Warth ist einer, der unabhängig von gängigen Stilen und Vorbildern kühn formuliert

Dr. Barbara Lipps-Kant zur Einführung in die Ausstellung
„Mahmut Celayir, Jürgen Klugmann, Jochen Warth – drei Künstler”
in der Kunststiftung Pro Arte, Ulm, 2002


Jochen Warth ist einer, der unabhängig von gängigen Stilen und Vorbildern kühn formuliert Es entstehen Zeichen, die in ihrer reduzierten Gestalt und Schönheit bestechen. Neben Brancusi und Chillida ist es der Karlsruher Franz Bernhard, der ihn in seinem Schaffen fasziniert. Daneben übte altes Werkzeug eine unausgesprochene Anziehungskraft aus. Doch ist in dem orginellen Skulpturenwerk nichts von all dem direkt auszumachen. Gelegentliche Anklänge entspringen dem Zufall. Im Laufe der Jahre hat der Künstler in dieser strengen, an Klarheit kaum zu überbietende Sprache ein erstaunliches Alphabeth geschaffen „Jochen Warth ist einer, der unabhängig von gängigen Stilen und Vorbildern kühn formuliert“ weiterlesen